by Mila

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Dienstag, 17. Juli 2012

Festival des Métiers


Heute erwartet Euch eine Bilderflut, die Ihr meinem Mann zu verdanken habt. Und der Tatsache, dass er pendeln muss und dabei Bayern 2 hört. An mir geht ja im Moment vieles vorbei, aber er hat eben auf diesem tollen Kultursender gehört, dass es eine ganz spezielle Ausstellung im Haus der Kunst gibt, und zwar noch genau bis morgen 20 Uhr. Ich wollte unbedingt hin und fand ein Zeitfenster von zwei Stunden zwischen Arbeit und Schnuppernachmittag im neuen Kindergarten meiner Süßen. Und zum Glück liegt das Haus der Kunst tatsächlich zwischen meiner Arbeitsstätte und meinem Zuhause, so dass es gar kein Umweg war.
Und was erwartete mich?

Kenner werden es sich schon denken. Es geht um Hermès und es geht um Handwerkskunst. Verschiedene Handwerker, alle bei Hermès angestellt, sind mitsamt ihren Werkzeugen nach München gekommen, um Ihr Handwerk vorzustellen und um zu zeigen, wie bei Hermès (fast) alles in Handarbeit entsteht.


Die Halle war wundervoll gestaltet und es war ziemlich viel los.

Selbst der Teppich passte zur Ausstellung, die sehr gut organisiert war. Denn da die Damen und Herren ja alle aus Frankreich stammen und kein Deutsch sprechen (zumindest taten sie es nicht), stand immer eine adrette junge Dame parat, die alles in beide Richtungen übersetzt hat. Die Handwerker/Innen erzälten viel, was und warum sie etwas tun, und wir im Publikum haben zusätzlich reichlich Fragen gestellt.

Zu bewundern waren ein Sattler...





... und ein Handschuhmacher. Diesem Herren hätte ich ewig zusehen können, denn er war witzig und gesprächig. Aber leider saß mir der Zeitdruck im Nacken.





















Diese Stanzschablone (Stanzt die Form des zu nähenden Handschuhs aus dem Leder) ist seit 1850 bei Hermès in Gebrauch!


Wir durften die Handschuhe, die mit der Hand genäht werden, auch anziehen, und sie sind wirklich butterweich und schmiegen sich wunderbar an die Haut an.





Die Porzellanmalerin hat gezeigt, wie aufwändig es ist, so einen Aschenbecher zu fertigen, der tatsächlich auch noch mit der Hand bemalt wird. Es sind viele verschiedene Brennvorgänge mit verschiedenen Temperaturen nötig, bis so ein - ähm, nicht sehr geschmackvoller - Aschenbecher fertig ist. Zudem ist er mit Platin bemalt, was wohl extrem schwierig und teuer ist, so dass sie sich keinen Fehler erlauben kann.





Die Uhrmacherin ist erst 19 und schon bei Hermès - was für eine Karriere. Sie hat das Innenleben einer Uhr in seine 150 Bestandteile zerlegt, um zu demonstrieren, wie viele es sind und wie winzig manche sind. Wirklich unglaublich. 


Die Entstehung einer Krawatte habe ich (fast) komplett gesehen. Es ist unglaublich, was für eine Millimeterarbeit das ist, damit die Naht hinten auch wirklich in der Mitte ist. Einen Millimeter darf sie abweichen, mehr nicht. Das würde bei der Endkontrolle nicht durchgehen.





Und das sind zwei auf einem Seidentuch gedruckte, noch nicht ausgeschnittene Krawatten. Könnt Ihr sie erkennen?

Und schon ging es weiter zu den Seidentüchern, den sogenannten Carrés. Auch diese können gesammelt werden und es gibt ganz seltene Farb- und Musterkombinationen. Das ist wirklich eine Wissenschaft für sich, fast so wie Chanel-Nagellacke :-).


Diese Dame fertigt aus Bildern Vorlagen für Druckschablonen für die spätere Presse, in der die Seidentücher bedruckt werden. Ihre Arbeit ist unglaublich. Sie bekommt ein Bild und sortiert sich im Kopf die verschiedenen Farben und Farbschattierungen, die für den Druck benötigt werden. Dazu fertigt sie in Handarbeit jeweils eine Schablone an. Die zeige ich Euch später noch, damit Ihr versteht, was gemeint ist.  Es gibt Carrés, die benötigen 14 Schablonen, andere benötigen 45!


Fertige Tücher hingen zum anfassen und ansehen bereit.

Und nun zum Bedrucken der Carrés. Hier wollte ich wirklich gar nicht weg. Leider bin ich zu spät gekommen und habe den Druck der ersten fünf Schablonen verpasst.  Auf dem folgenden Bild wird schon die sechste Schablone gerade weggeschoben ...


... und dieses Muster kommt zum Vorschein. So hätte mir das Tuch übrigens auch gefallen :-). Aber es ist noch lange nicht fertig.



Die nächste Schablone wird exakt aufgelegt. Das, was hell ist, wird gefärbt, der Rest ist abgedeckt.


Nun kommt Farbe drauf, ...


... die mit einem bestimmten Druck zwei Mal über das Tuch gezogen wird.



Und schon ist die nächste Farbschicht auf dem Tuch.


Und die nächste.


Und die nächste.


Und die nächste.


Und ...


... die letzte.





Dazu bekamen wir noch von einem sehr beredten Herren einen Vortrag über Seidenspinnerraupen, die Menge, die benötigt wird, wie mit den Tüchern nach dem Bedrucken weiter verfahren wird, und vieles mehr. Es war sehr spannend und Interessant.

Und dann war da noch...


... der Traum meiner schlaflosen Nächte. Sie war das einzige, das man nicht berühren durfte :-(.
Und leider hatte ich nun gar keine Zeit mehr, mir deren Vollendung anzusehen, zumal die Täschnerin gerade auf dem Sprung in die Mittagspause war.


Man ahnt es schon. Sie arbeitet an einer Kelly-Bag. Sie bekommt alle Teile einer Tasche geliefert und stellt diese eine Tasche komplett alleine her, vom Nähen über den Griff hin zu dem Schloss.



Und auch sie verwendet Werkzeug, das schon lange im Firmenbesitz ist.



















Ich habe gerade noch gesehen, wie sie die Nähte flach klopft, damit die nicht so weit herausstehen. Und dann war sie weg und meine Zeit war rum, denn der Schnuppernachmittag im Kindergarten lief. Was soll ich sagen. Es hat mir sehr viel Freude gemacht, die zwei Stunden vergingen wie im Flug und ich hätte noch viele weitere Stunden bleiben können. Ging halt nicht. Wer morgen noch Zeit hat, sollte sich das nicht entgehen lassen!

(Und während ich diesen Post geschrieben habe, habe ich die Pizza meines Liebsten verkohlen lassen. Das ist also der Dank dafür, dass er mich auf dieses tolle Festival aufmerksam gemacht hat.)

Kommentare:

  1. So ein Mist, dass ich nicht mehr in München wohne... Da wäre ich auch zuuuuu gern hingegangen!

    Liebste Grüße
    Valerie

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  2. Oh Mann! Ich hab davon gelesen und auch schon Berichte auf einigen Blogs gesehen. Zu schade, dass München sooo weit weg ist!

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  3. Ob ich morgen mal schnell nach München flitze???

    Danke für die schönen Bilder!

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  4. Mensch, das ist ja mal der Hammer!!!!! Danke für die Fotos!!!!!

    Valerie? Sitzt du schon im Flugzeug nach München?? :) :)

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  5. wow sehr sehr interessantes Festival/Event :) würde ich mir auch nur zu gern anschauen. vielen dank für diesen bericht u die fotos :)
    handarbeit ist faszienierent

    liebste grüße

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  6. Voll interessant! Konnte man auch so eine H Tasche gleich mitnehmen hahaha :)
    Danke für die tolle Bilder und diesen Bericht <3
    Liebste Grüße :*****

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  7. Ich les Deinen Blog sehr gerne und deshalb hab ich Dich mal getaggt, um noch etwas mehr über dich zu erfahren!

    http://moppis.blogspot.de/2012/07/tag-things-about-me.html

    Würde mich freuen, wenn Du mitmachst!

    Viele Grüße!

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  8. Ich als norddütsche Deern hatte leider keine Chance.
    Schade.Danke für Deine Bilder,

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